

SOMMERSEMESTER 2011
Seminarblock 1 / Nürnberg
10.04-17.04.2011
Sonntag 10. April
13:00 Theorie u. Praxis, Teil 1>>, Christian Posthofen
Montag 11. April
10:00 Theorie u. Praxis, Teil 1>>, Christian Posthofen
17:00 Wang Hui The end of the Revolution - China and the limits of modernity>>
Vortrag und Gespräch in englischer Sprache
Dienstag 12. April
10:00 Vorbereitung d. Exkursion China Ghost Towns, Christian v. Borries >>
danach: Projektbesprechungen
Mittwoch 13. April
10.00 Seminar Individuum und Gemeinschaft
Latours Versammlungen >>, Christa Kamleithner
danach Einzelbesprechungen
Donnerstag 14. April
10.00 Seminar Individuum und Gemeinschaft
Latours Versammlungen >>, Christa Kamleithner
Freitag 15. April
10.00 Seminar Individuum und Gemeinschaft
Latours Versammlungen >>, Christa Kamleithner
danach Einzelbesprechungen
Samstag 16. April
10.00 Seminar Vergangenheit und Zukunft
Eigentum und Gebrauch >>, Christa Kamleithner
danach Einzelbesprechungen
Sonntag 17. April
Projektbesprechungen
Seminarblock 2 / Zhenzhou, Ordos
8. Mai - 15. Mai 2011
China Ghost Towns >>, Christian von Borries
Seminarblock 3 / Berlin
5. Jun. - 12. Jun. 2011
So 5. Juni
13:00 Projektbesprechungen
19:00 Grillen, danach Nachbereitung der China Exkursion mit Christian von Borries
Mo 6. Juni
10:00 Projektbesprechungen bis ca. 16:00
Dienstag 7. Juni
10.00 Seminar Vergangenheit und Zukunft
Eigentum und Gebrauch >>, Christa Kamleithner
16:00 Besuch Boros Bunker
19:00 Diskussion mit AnArchitektur zu Heft 23: "On the Commons"
Mittwoch 8. Juni
10.00 Seminar Vergangenheit und Zukunft
Eigentum und Gebrauch >>, Christa Kamleithner
17:00 Diskussion mit den OrganisatorInnen der Raumerweiterungshalle
20:00 Haben und Brauchen #3
Eine offene Diskussion zur Berliner Stadt- und Kunstpolitik
Salon Populaire, Bülowstr. 90, 10783 Berlin
Donnerstag 9. Juni
10.00 Seminar Individuum und Gemeinschaft
Latours Versammlungen >>, Christa Kamleithner
17:30 Besuch Baugruppe Strelitzer Str. 53 von Rosen/Schindler
19:30 ARCH+ features mit Florian Heilmeyer >>
im HBC
Freitag 10. Juni
10.00 Seminar Individuum und Gemeinschaft
Latours Versammlungen >>, Christa Kamleithner
17:30 Diskussion mit Frauke Hehl vom Allmende-Kontor, Tempelhofer Feld
Samstag 11. Juni
10:00 Projektbesprechungen
21:00 032C Workshop Party in der Brunnenstrasse 9
Sonntag 12. Juni
11:00 Projektbesprechungen
Seminarblock 4 / Nürnberg
29. Jun. - 6. Jul. 2011
6. Jul. 2011, 19.00 Uhr / Eröffnung Jahresausstellung
Mittwoch 29. Juni
9:30-16:30 Start-Up Seminar mit Hans-Bert Binz
Donnerstag 30. Juni
10.00 Seminar Vergangenheit und Zukunft
Eigentum und Gebrauch >>, Christa Kamleithner
Freitag 1. Juli
10.00 Seminar Vergangenheit und Zukunft
Eigentum und Gebrauch >>, Christa Kamleithner
Samstag 2. Juli
Austellungsaufbau
Theorie u. Praxis, Teil 2>>, Christian Posthofen
Sonntag 3. Juli
Austellungsaufbau
Theorie u. Praxis, Teil 2>>, Christian Posthofen
Montag 4. Juli
Austellungsaufbau abgeschlossen
Theorie u. Praxis, Teil 2>>, Christian Posthofen
Dienstag 5. Juli
N.N.
Mittwoch 6. Juli
Schlussreview , abends: Eröffnung d. Jahresausstellung

The end of the Revolution - China and the limits of modernity
Vortrag mit Prof. Wang Hui
Wang Hui is Professor of chinese Language and Literature at Tsinhua University in Beijing and the former editor of Dusha, China'a most influential literary journal. He participated in the Tiananmen protest of 1989 and is author of "The rise of modern Chinese Thought".

Seminargruppe Theorie und Praxis.
Christian Posthofen
Im ersten Seminarblock werden wir den erreichten Forschungsstand zum Tafelthema überprüfen, methodisch hinterfragen und bereits im Hinblick auf ein mögliches öffentliches Seminar im Herbst in der Akademie c/o verdichten.Kurze Texte zu Niklas Luhmanns Systemtheorie und der Praxiologie Pierre Bourdieus werden im zweiten Nürnbergblock dazu dienen, die Beispiele der unterschiedlichen Systeme, bzw. Felder, Kunst = Boros-Bunker und Randgruppen = Tafel, zur Beschreibung der Raumproduktion der Berliner Republik zu nutzen.
Wesentlich wird die Überprüfung der eigenen Haltung und deren Zusammenwirken mit der von Foucault so genannten "kritischen Ereignishaftmachung".

Seminargruppe Individuum und Gemeinschaft
Latours Versammlungen
Christa Kamleithner
Dinge sind etwas, das uns angeht, über das wir reden und Streit führen. Ihre Herstellung verläuft nicht geradlinig und zielorientiert, sondern sie entstehen in Verhandlungsprozessen; sie sind auch keine isolierten Entitäten, sondern stehen in Bezug zu anderen Dingen, zu Menschen und Orten. Sie sind Knoten in mehr oder weniger weit gespannten Netzwerken, mehr noch sind sie Versammlungen, wie Bruno Latour dies formuliert.
Latour, der als Wissenschaftssoziologe seinen Blick in der Analyse von Labors geschult und sich mit den „Objekten“ der Naturwissenschaft beschäftigt hat, schlägt mit seiner Akteur-Netzwerk-Theorie eine Neufassung der Soziologie vor, die sich nicht nur mit menschlichen Beziehungen, sondern auch mit Dingen auseinandersetzt. Mehr noch verortet Latour beide in einem Kontinuum, wenn er zeigt, dass auch die Dinge agieren und sich die menschlichen Beziehungen auf Dinge und Techniken stützen.
Dieses Unternehmen hat eine politische Dimension. Indem Latour den Anteil von Dingen, Techniken und Architekturen am „Sozialen“ bestimmt und dieses als Gefüge menschlicher und nicht-menschlicher Akteure beschreibt, macht er es auch gestaltbar. Er ruft dazu auf, dieses Kollektiv nicht nur zu beschreiben, sondern es auch in neuer Weise zu versammeln und einzurichten.
Wir werden im Seminarblock 1 versuchen, einen Einstieg in das Denken Latours zu finden, und prüfen, wie sich der Blick auf Architektur und Design dadurch verändert. Von besonderem Interesse wird dabei Latours Politikbegriff sein, der die Dinge und das Herstellen inkludiert. Um diesen herauszuarbeiten, werden wir Texte von Hannah Arendt und Jacques Rancière vergleichend heranziehen.
Im Seminarblock 3 werden wir uns detailliert mit dem zweiten Teil von Latours Buch „Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft“ befassen, das die Akteur-Netzwerk-Theorie Schritt für Schritt erklärt. Eine Auseinandersetzung mit Latours Forschungspraxis soll Beschreibungs- und Kartierungstechniken vermitteln, mit denen sich die Spuren der Akteur-Netzwerke verfolgen lassen.
Denn die zentrale Aufgabe des Seminars wird sein, einen konkreten Ort als Knoten eines Netzwerks zu kartieren oder eine bestimmte Tätigkeit in ihren Beziehungen und mit den für ihr Gelingen eingesetzten Dingen und Techniken zu beschreiben. Diese Recherchearbeiten sollen im Seminarblock 4 vorgestellt und diskutiert werden.
Die Texte, die wir lesen, werden zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt. Nachdem wir uns mit Latours „Eine neue Soziologie für eine neue Gesellschaft“ ausführlicher beschäftigen, empfiehlt sich jedoch der Kauf des Taschenbuchs.

Seminargruppe Vergangenheit und Zukunft
Eigentum und Gebrauch
Seminar Christa Kamleithner
Der Gebrauch von Dingen und Räumen wird wesentlich durch Rechtsverhältnisse bestimmt. Eigentums- und Nutzungsrechte legen fest, welche Art des Gebrauchs wo und für wen möglich ist, sie trennen Gebrauchsformen voneinander und strukturieren darüber die Nutzung des städtischen Raumes.
Die moderne Vorstellung eines mehr oder weniger uneingeschränkten Eigentums steht heute wieder zur Diskussion. Die Aufteilung der letzten Gemeingüter, von Wasser und Luft bis hin zum Wissen, hat die alte Diskussion neu entfacht und den Wert von Gemeingütern sichtbar gemacht. Auch im Zwischenfeld von Kunst, Architektur und Landschaftsgestaltung setzen sich immer mehr Projekte mit commons und der damit verbundenen sozialen Praxis des commoning auseinander.
Das Seminar wird diesen neuen Vorstellungen eines gemeinsamen Gebrauchs von Räumen und ihren historischen Bezügen nachgehen. Von besonderem Interesse ist dabei jener Prozess, in dem sich die moderne Vorstellung von Privateigentum durchsetzt. Dieser Wandel, der in Europa um 1800 seinen Abschluss findet, ist ambivalent: Angelegt als Befreiung aus alten Abhängigkeiten, beschränkt er für einen großen Teil der Bevölkerung den Zugriff auf Grund und Boden. Mit ihm werden auch das Gemeineigentum und die mit ihm verbundenen Gebrauchsformen aufgelöst.
Wir werden im Seminarblock 1 über die aktuelle Diskussion um commons in das Thema einsteigen und die derzeitige Rechtslage erkunden. In dieser ersten Sitzung werden wir uns auch über die Referatsthemen verständigen.
Im Seminarblock 2 werden wir uns mit Projekten auseinandersetzen, die mit dem gemeinsamen Gebrauch von Räumen experimentieren. Ausgehend von Berliner Projekten, über die wir vor Ort und mit den Akteuren diskutieren, werden wir uns mit der konkreten Praxis der Selbstorganisation beschäftigen, wie sie mit der gemeinsamen Bewirtschaftung von Gärten oder dem Betrieb gemeinsam genutzter Architekturen verbunden ist.
Geschichte und Theorie des Eigentums bilden den Schwerpunkt im Seminarblock 3. Wir werden uns mit Allmenden und ihrer Auflösung auseinandersetzen ebenso wie mit der modernen, liberalen Vorstellung von Privateigentum, den sozialen und ökonomischen Entwicklungen, die mit seiner Durchsetzung verbunden sind, sowie mit der marxistischen Kritik daran.
Die Texte, die wir lesen, werden zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt.

China Ghost Towns
Christian von Borries
In Zengzhou, einer riesigen Millionenstadt - auf der Bahnstrecke zwischen Beijing und Shanghai gelegen, hat sich das Viertel „New District“ zur weltweit größten Geisterstadt entwickelt.
Kangbashi, als Zentrum von Ordos (Distrikt Dongsheng) in fünf Jahren gebaut, steht ebenfalls leer, inklusive Bürotuermen, Museen, Theatern, Sportzentren und tausenden von Mietwohnungen. Ordos ist eine reiche Bergbaustadt, die mit der Expertise von Ai Wei Wei (unter Zuhilfenahme des Adressbuchs von Herzog & de Meuron) hundert jungen Westarchitekten die Möglichkeit bot, Millionärsvillen zu bauen: Ordos 100
Über dieses Projekt sind keine aktuellen Informationen erhältlich, was auf desaströse Zustände dort hinweist.
Fragen: Was macht das Einfamilienhaus in einer Gesellschaft, die sich den sozialen Ausgleich ins Konzept geschrieben hat und in der selbst preiswert gebaute Mietshäuser keine Mieter finden? Liegt es auch an den Mietshäusern selbst? Am extremen Klima mit sehr kalten trockenen Wintern und sehr feuchten heissen Sommern?
Wir werden in den beiden Städten, die vom Tourismus so gut wie unberührt sind, mit den dortigen Architekturfakultäten Kontakt aufzunehmen, nicht zuletzt um mit denen in die entsprechenden Viertel und Gebäude zu kommen. Es wird interessant sein zu erleben, wie deren Selbstwahrnehmung mit unserer Wahrnehmung vor Ort korrespondiert - oder nicht.


ARCH+ features mit Florian Heilmeyer
Anfang Juni wird in Berlin die von Klaus Wowereit initiierte und in der Kunstszene heftig umstrittene Kunstausstellung „Based in Berlin“ stattfinden, deren „Vorgeschichte“ auch in unserer aktuellen Ausgabe ARCH+ 201/202 kontrovers diskutiert wurde.
Wir nehmen diese Debatte zum Anlaß, um im Kontext des Berlin-Heftes sowie im Rahmen unserer Reihe ARCH+ features mit Florian Heilmeyer die These zu
diskutieren, wie sich in Berlin aus dem Provisorium der Aneignung in den letzten Jahren eine neue „Ästhetik der Aneignung“ als gegenwärtige Berlin-spezifische Architekturpraxis entwickelt hat. (Siehe den Beitrag „Raumrohlinge“ von Florian Heilmeyer in ARCH+ 201/202, S. 126ff.)
Im Anschluss an die Einleitung von Florian Heilmeyer wollen wir in zwei Runden die im Berlin-Heft vorgestellten Arbeiten hinsichtlich der vorgetragenen Thesen diskutieren. Wir laden Sie hiermit ein, an der zweiten, erweiterten Diskussionsrunde teilzunehmen.  |