

Wintersemester 2010/11
Seminarblock 1
17. Okt. - 24 Okt. 2010 / Nürnberg
Lehrpersonal / Referenten:
Hans-Bert Binz, Christian von Borries, Arno Brandlhuber, Silvan Linden, Christian Posthofen
Seminarblock 2
14. Nov. - 21. Nov. 2010 / Detroit
Arno Brandlhuber, Silvan Linden / Tony Hope, Kate Levant, Rick Marsee, Chris McGrain, Andrew Mehall, Michael E. Smith, Dylan Spaysky, Sandra Bartoli
Seminarblock 3
12. Dez. - 19. Dez. 2010 / Berlin
Christian von Borries, Arno Brandlhuber, Silvan Linden, Christian Posthofen / Friedrich Kittler, Birgit Schneider / Hr. Böhm, Hr. Schimang, Hr. Heil, Fr. Schmuck, Hr. Waldherr, Fr. Kraft, Fr. Boll, Hr. Schätzle, Hr. Malchow, Fr. Puhlmann, Heiko, Markus, Hr. Rother, Fr. Winterhager, Hr. Mente u.v.m.
Seminarblock 4
29. Jan. - 5. Feb. 2011 / Nürnberg
Christian von Borries, Arno Brandlhuber, Silvan Linden, Christian Posthofen / Tamara Härty, Andreas Neumeister, Matthias Spielvogel
Module / Referenten:
Projektarbeiten
Arno Brandlhuber, Silvan Linden
durchlaufend, Teilnehmer und individuelle Themen: Alexander Görg, Kreisverkehr; Verena Hartbaum, Der Identitätsbegriff bei Hans Kollhoff; Tobias Hönig, Weltkulturerbearchitektur; Andrijana Ivanda, Geoinformationssysteme; Nina Kalkowski, Hadid und Gehry und Mode und Architektur; Karsten Konrad; Martin Leiderer, Neue Aneigungsformen des Öffentlichen Raums; Sarah Michels, Die Architektur des Ausnahmezustands; Antonia Mohilla, Urbane Landwirtschaft; Nikolai von Rosen; Eva Schmeckenbecher, Amok; Alojz Suc, Die Architektur des Privaten; Nils Wolfbauer, EnEV-Architektur; Huan Zuo, Was ist Dichte?
Thesis
Arno Brandlhuber, Ulrich Gutmair, Silvan Linden
durchlaufend, Teilnehmer und individuelle Themen: Martin Eberle, Voyager Golden Record
Seminargruppe Individuum und Gemeinschaft
Grundlagen der Raumsoziologie / Partizipative Strategien / Diskurse zur Teilhabe
Gastprofessor Christian von Borries
Termine im Rahmen von Block 1, 2 und 3
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Seminargruppe Theorie und Praxis
Grundlagen zu Modellen der Raumproduktion / Theoriebildende Strategien / Diskurse zu Erkennen und Handeln
Christian Posthofen, "Raumproduktion der Berliner Republik"
Vorbesprechung 18.10.2010, 12:00 Uhr
18.10. / 12.12. / 13.12. / 14.12. / 15.12. / 29.1. / 30.1.
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Seminargruppe Vergangenheit & Zukunft
Grundlagen zu zeitbasierten Phänomenen / Zeitbasierte Strategien / Diskurse zum Geschichts- und Fortschrittsbegriff
Gastprofessor Christian von Borries
18.10. / 19.10. / 20.10. / 22.10. / 23.10. / 12.12. / 16.12. / 31.1. / 1.2. / 2.2.
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Seminargruppe Architektur und Stadt
Grundlagen zur gebauten Umwelt / Raumbezogene Strategien / Diskurse zu Raum und Territorium
Arno Brandlhuber, Silvan Linden
14.-21.11.
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Seminar Betriebswirtschaft für Architekten
Dr. Hans-Bert Binz
21.10.

Seminargruppe Individuum und Gemeinschaft
"Architektur statt Politik"
Seminargruppe Vergangenheit und Zukunft
"Politik statt Architektur"
Christian von Borries
Im Seminarblock 1 Individuum und Gemeinschaft in Nürnberg geht es um ARCHITEKTUR STATT POLITIK, also die Frage ob und wo Architektur politische Diskurse ersetzt hat.
Anhand des Coca-Cola-Village Israel, der neuen Hauptstadt des Architektur-Sampling Astana, der kolonialen Situation in Pristina/Kosovo, des Boklok-Hauses von Ikea, der Stadt Masdar bei Abu Dhabi und des Neubaus der Berliner Topographien des Terrors soll ein neuer Urbanismus untersucht werden, der ohne seine mediale Repräsentation nicht denkbar wäre. Wir müssen nicht vor Ort gewesen sein um uns ein Bild zu machen. Was ist aber dann genau dieses Bild, sein Subtext?
Die Teilnehmenden sollten sich deshalb im Netz (vor allem auf Youtube) einen Eindruck besagter Orte machen und die Fundstücke auf ihren Rechnern mitbringen. Ausserdem wird das Reclambändchen "Texte zur Medientheorie" (Reclam Universalbibliothek Nr. 18239, 8,40 Euro) Diskussionsgrundlage sein - ich bitte es zu kaufen, zwei beliebige kurze Texte auszuwählen und vorzubereiten.
Dient der neue Urbanismus der Exklusionsgesellschaft? Im Kosovo spricht die Nato als Staatsmacht nicht mehr von Bevölkerung, Land oder Staat, sondern von Communities.
Am Rande des Seminarblocks 2 in Detroit wird überprüft, wie von unten, unreguliert und chaotisch, ein neuer Urbanismus vor Ort entsteht, also auch das Verhältnis des Staates zu dieser Entwicklung.
Am Rande des Seminarblocks 3 in Berlin besuchen wir das neu bebaute Gelände "Topographie des Terrors", suchen nach Spuren seiner Geschichte, die inzwischen eine mediale ist - also das Verhältnis einer realen Erfahrung zu seiner medialen Repräsentation.
Im Seminarblock 4 Vergangenheit und Zukunft wieder in Nürnberg geht es dann um eine dialektische Umkehrung, POLITIK STATT ARCHITEKTUR, also um die Frage, wo politische Diskurse Architektur ersetzen. Beispiele können die Erfahrungen in Detroit sein, aber auch der Umgang der Stadt Nürnberg mit der Tribüne am Zeppelinfeld, der Dschungel von Bauvorschriften und sein Einfluss auf gegenwärtige Architektur. Unterschiedliche reale Beispiele, die von den Teilnehmenden selbst ausgewählt werden, und ihre mediale Umsetzung sind die Grundlage.
Aus all dem entstehen als Abschlussarbeiten keine Texte sondern Filme unter dem Blickwinkel der erarbeiteten medientheoretischen Ansätze. Wo sieht Realität wie ihre Simulation aus? Ist dieser Unterschied überhaupt noch relevant? Gibt es Bilderverbote, und wenn ja wo und warum?

Seminargruppe Theorie und Praxis
"Raumproduktion der Berliner Republik"
Christian Posthofen
Unsere Untersuchung der Situation um den "Boros-Bunker" haben das Ineinandergreifen der verschiedenen Spielfelder im Sinne Bourdieus zur Steigerung der kulturellen und ökonomischen Potentiale (Kapital) von Christian Boros verdeutlicht. Dies geht einher mit dem von uns bei Foucault gefundenen heterotopolgischen Aspekt von Inklusion und Exklusion. Inwieweit dieser Aspekt auch bei einem entgegengesetzten Phänomen wie der "Berliner Tafel" (Armenspeisung aus Überschüssen und am Verfallsdatum angekommener Lebensmitteln, vorwiegend der Lebensmittelindustrie) beobachtet werden kann und somit als ein allgemeines Beschreibungsmerkmal (Segregation) der Raumproduktion der Berliner Republik betrachtet werden kann, ist Teil der empirischen Untersuchung des Berlin Blocks kurz vor Weihnachten.
Zur Vorbereitung werden wir den ersten Nürnberg Block nutzen, die Begrifflichkeiten von Theorie und Praxis für das Thema überprüfen, sowie einige historische Texte zu Theorien der Gemeinschaft und zur konkreten Situation der Tafeln bearbeiten.
Zu der Erkenntnis, dass sich unsere Gesellschaft immer deutlicher zu einer Parallelgesellschaft entwickelt bedarf es keiner Literatur.
Wichtig ist das "Selber Denken" und dieses dann während des Berlinblocks empirisch zu überprüfen. Für meine Kenntnis und eine der Grundlagen der Bewertung, neben den im Januarblock zu formenden Ergebnissen, ist das wöchentliche Führen eines wissenschaftlichen Tagebuchs (jeweils Freitags per Email an mich >>)
Vorbereitung:
- Internetrecherche zur "Tafel", auf jeden Fall Tafel.de .
- Brian Massumi, Ontomacht, Merve 2010, Seite 69 – 71.
- Diskoheft 5, Theorie und Praxis, hier der farbige Innenteil mit Begriffsdefinitionen und Schaubild – siehe Download hier >>.
- Theorien der Gemeinschaft zur Einführung, Junius, 2010. ( Der Text ist nicht Grundlage des Seminars, ist aber geeignet sich einen Überblick zum kulturwissenschaftlichen Stand zu verschaffen –freiwillig )

Seminargruppe Architektur und Stadt
"Stadt der Zukunft?"
Arno Brandlhuber, Silvan Linden
in Kooperation mit University of Detroit Mercy und College for Creative Studies Detroit; Tony Hope, Kate Levant, Rick Marsee, Chris McGrain, Andrew Mehall, Michael E. Smith, Dylan Spaysky und Sandra Bartoli
Ein Phänomen der post-fordistischen Gesellschaft ist (nach David Harvey) der Übergang von einer verwaltenden zu einer unternehmerischen Stadtplanung - also weg von der Idee einer flächendeckenden (Grund-)Versorgung der Bevölkerung und Sicherstellung eines (Mindest-) Standards an Lebensbedingungen, hin zu einer "spekulativen Konstruktion von Orten", sprich punktuellen Investitionen in typischerweise öffentlich-privater Partnerschaft. Als Teil dieser Entwicklung sind Imagekampagnen und Stadtmarketing heute selbstverständlicher Teil der Stadtplanung. Der "Bilbao-Effekt" gilt als richtungsweisend für die Umwertung strukturschwacher Regionen; als weitere Beispiele einer erfolgreichen Stadtentwicklung "unternehmerischer" Prägung gelten etwa die Berliner Kunst-Werke oder die New Yorker High Line. In den genannten Fällen verschwimmt zudem die eigentliche stadträumliche Maßnahme nahtlos mit den sie begleitenden und begründenden Erzählungen und Mythologisierungen inklusive ihrer Protagonisten, Helden und Verlierer. So verengt sich etwa der Narrativ zur Renaissance der weitgehend entvölkerten Innenstadt von Manchester (weniger als 1.000 Einwohner zu Beginn der 80er Jahre) letztlich auf ein von etwa 40 Personen besuchtes Konzert der Sex Pistols am 4. Juni 1976. Der Legende nach hatten sämtliche Besucher kurz darauf entweder selbst eine Band (Joy Divison …), ein Plattenlabel (Factory …) oder waren anderweitig an der langsam einsetzenden Wiederbelebung des Stadtzentrums und der Entstehung Madchesters beteiligt.
Das Renaissance Center in Detroit (errichtet von 1973-77 nahe des Schnittpunktes von Detroit River und Woodward Avenue - also dem ideellen Nullpunkt der Stadt) ist hingegen bis heute genausowenig Symbol einer Wiedergeburt wie die zur Jahrtausendwende in die Innenstadt implantierten Baseball und Football-Arenen. Mit dem Beinah-Bankrott vom GM schien 2009 vielmehr der finale "Untergang" der Motor City greifbar und die Firmenzentrale akut vom Leerstand bedroht. Das Image Detroits ist beherrscht von monumentalen Ruinen wie der Michigan Station und ausgebrannten Häusern in der Weite der "Urban Prairie". In das Bild allgemeiner Perspektivlosigkeit fügt sich eine (offizielle) Arbeitslosigkeit von über 20% (2010), ein faktisch zusammengebrochener Immobilienmarkt auf dem auch vollkommen intakte Häuser für wenige tausend Dollar zu erstehen sind und eine im Abbau begriffene städtische Infrastruktur, die selbst den Einkauf von Lebensmitteln zur Herausforderung werden lässt ("Food Desert").
Nichtsdestotrotz wird Detroit in letzter Zeit immer wieder auch als "Stadt der Zukunft" verhandelt. Das entleerte und entschleunigte Brachland Detroits gilt manchen im wörtlichsten Sinne als zivilisatorischer Freiraum, als Versprechen einer besseren, post-kapitalistischen Welt. Das sichtbarste Zeichen eines veränderten Verständnisses von "Stadt" und eines anderen, unmittelbaren Zugriffs auf ihre Ressourcen sind die kleinen Urban-Farming-Projekte der Innenstadt. Sie dienen entweder der nachbarschaftlichen Selbstversorgung und Direkthilfe, der caritativen "Erziehung" zu Eigenverantwortung, der Belieferung von Feinkost-Restaurants ebenso wie der von Volksküchen. Das Spektrum von Hoffnung, Armut, Selbstversuch, Idealismus, Medialisierung und kommerzieller Verwertung wird komplettiert von einem Großinvestor, der Detroit zum Weltmarktführer vollmechanisierten Indoor-Farmings ausbauen möchte und die Stadtverwaltung mit einer Kaufofferte für ganze Stadtblöcke konfrontiert. Grundstücke, die der Stadt deshalb gehören, weil ihre Eigentümer ihre Steuerschulden nicht zahlen und keinen Käufer finden konnten.
Die Gleichzeitigkeit der verschiedensten und widersprüchlichsten Erzählungen vor dem Hintergrund einer großen, gewalttätigen Geschichte und einer Realität, die sich diesen Zuschreibungen bis zu deren Bedeutungslosigkeit entzieht, mag das eigentlich "zukünftige" an Detroit sein.
Das Seminar "Stadt der Zukunft" sammelt gemeinsam mit den Teilnehmern aus Detroit Erzählungen und Gegenerzählungen, "direkte" und medial vermittelte Eindrücke um sie versuchsweise zu einem "Stadtführer" zu verdichten. Die einzelnen Beiträge und Kapitel werden im Nachgang in Wikipedia lexikalisiert und dem Prozess der allgemeinen Geschichtsschreibung zugeführt.
Silvan Linden
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